BurnoutDer klassische „Burnout“ (engl.: to burn out = ausbrennen) wird als seelischer Zustand der emotionalen, körperlichen und geistigen Ermüdung gesehen. Nach dem international gültigen Diagnosesystem ICD 10 ist die „Neurasthenie“ die am ehesten zutreffende Klassifikation des „Burnout“. Beschleunigte Ermüdungserscheinungen, Schwächegefühle und Erschöpfungszustände bei gleicher Arbeitsbelastung in Verbindung mit erhöhter Reizbarkeit, Freudlosigkeit und Anzeichen von Depressionen wie auch Angstgefühlen sind kennzeichnend für die berufsbezogene „Neurasthenie“. In Bezug auf Stress teilen sich diese beiden Krankheitsbilder die meisten körperlichen Indikatoren.

Doch nicht jeder Mensch ist gleich empfänglich. Unterschiedliche Prädispositionen führen dazu, ob man Stress eher bedrohlich (also negativ) oder positiv aufnimmt. „Burisch“ schreibt 2006, dass der vergebliche Versuch Dauerstress zu verringern, zu einem „Burnout“ führen kann.

Nachfolgend “drei” Ansätze:

1.)  Unrealistische Erwartungen

Nach Freudenberger und North (2002) entsteht „Burnout“ aus einer narzisstischen Helferpersönlichkeit, deren überhöhte Belohnungserwartungen nicht erfüllt werden (intrapersoneller Ansatz).

2.) Die drei Subdimensionen nach Maslach

Nach Maslach, der bekanntesten Forscherin auf diesem Gebiet, ist „Burnout“ ein Syndrom aus drei Subdimensionen:

  • Emotionale Erschöpfung / rascher Ermüdung
  • Depersonalisierung /Gleichgültigkeit im sozialen Kontakt
  • Reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit im Beruf / Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung

Dieser Ansatz folgt einer negativen Grundhaltung gegenüber den eigenen Fähigkeiten und der Interaktion mit anderen Personen. Maslach entwickelte mit „Jackson und Leiter“ ein Messinstrument zur Stützung ihres Ansatzes (Maslach Burnout Inventory – MBI-GS). Es besteht aus den Skalen Erschöpfung, Zynismus und berufliche Wirksamkeit.

3.) Emotionaler Stress

Emotionaler, chronischer Stress bedeutet eine schleichende Auszehrung durch Überbelastung, Autonomie- und Belohnungsmangel. Gerade jüngere, motivierte Menschen sind nach Eintritt in eine Organisation überfordert und desillusioniert, da die realen Arbeitsbedingungen nicht den anfänglichen Erwartungen entsprechen. „Pines“ (1993) unterscheidet hier den Zyniker vom Idealisten.

(Vgl.: Stress, Mobbing, Burn-out am Arbeitsplatz, Litzcke/Schuh, SpringerMedizin © Springer-Verlag Berlin Heidelberg, S. 157 – 160)

Stadien der Burnout-Entwicklung:

Edelwich und Brodsky (1980) verfolgen den gleichen Ansatz wie Maslach und ergänzen den vorab genannten Verlauf um fünf, den Berufsanfang betreffenden, chronologische Phasen / Stadien:

 

  • Stadium der idealistischen Begeisterung
  • Stadium der Stagnation
  • Stadium der Frustration
  • Stadium der Apathie
  • Interventionsphase

 

In der ersten Phase wird den Idealen des Berufsanfängers nicht entsprochen. Seine Erwartungen decken sich nicht mit der Realität.

In der zweiten Phase sinkt die Motivation soweit, dass das Handeln sich weitestgehend auf das nötigste beschränkt. In diesem Stadium sollte eine Veränderung (z.B. durch eingehende Betreuung oder Perspektive) zwingend stattfinden.

Die dritte und vierte Phase sind gekennzeichnet durch die Sinnfrage, innere Kündigung, Hoffnungslosigkeit, Zynismus und Resignation. Bis es dazu kommt, ist jedoch meist von Jahren auszugehen.

Die fünfte Phase bezieht sich auf Behandlungsmöglichkeiten innerhalb der zuvor genannten Phasen und danach. Ein Unternehmen sollte jedoch frühestmöglich intervenieren, um Kosten durch Krankheit oder sonstige Ausfallzeiten zu vermeiden.

Die Kausalitätskette hinsichtlich des Burnout-Syndroms lässt aufgrund vieler sich ähnelnden Beschreibungen des Verlaufs noch viel Raum für eingehendere empirische Forschungen (zum Vergleich: Fengler 2002 mit 8 Stufen sowie Freudenberger und North 1997 mit 12 Stufen).(Vgl.: Psychische Belastungen am Arbeitsplatz, Poppelreuter/Mierke, S. 106 – 109)

Ursachen der Burnout-Entwicklung:

Die Ursachen können Überlastung, starre Hierarchien, wenig Verantwortung, wenig Belohnung oder Anerkennung, das Attribuieren von Misserfolgen jedoch nicht von Erfolgen, Angst um den Arbeitsplatz, die Interaktion mit Kollegen, Kunden, Patienten oder dem Vorgesetzten, Effizienzdruck usw. sein. Jedoch ist auch der private Bereich als Auslöser durch (z.B.) Übertragen der Selbstüberlastung auf den Alltag oder Stress durch Fehlorganisation des eigenen Privat- und Freizeitlebens möglich. (Vgl.: Stress, Mobbing, Burn-out am Arbeitsplatz, Litzcke/Schuh, SpringerMedizin © Springer-Verlag Berlin Heidelberg, S. 171 – 172 und Psychische Belastungen am Arbeitsplatz, Poppelreuter/Mierke, S. 109 – 110, http://www.esv.info/978-3-503-14123-4)

Bildquelle: Dieter Schütz / pixelio.de

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